Zwartbles-Schafzucht Sönnichsen in Wobbenbüll - News

März 2014: Publikation in der Zeitschrift "LandGang"

Die Schafe mit den weißen Socken:


Bericht von Sönke Hauschild für die Zeitschrift „LandGang – mein schöner Norden“, Nr. 2 März-April 2014

Sie fallen auf. Treten ihre Artgenossen im reinen Weiß auf oder mit schwarzem Kopf und weißem Wollkleid, so sind diese Schafe anders. Vor meinem Haus grasen seit wenigen Wochen einige dieser Tiere mit der besondere Zeichnung: Eine Blesse am Vorderkopf, von der die Tiere den Namen „Zwartbles“ haben. Dazu weiße Socken an allen vier Beinen und am Schwanzende eine weiße Spitze. Ein Landwirt aus dem benachbarten Kollmor hatte sie dort aufgestellt. Grund genug, nachzufragen. Bauer Martin Prignitz verwies mich an die Nordfriesische Küste, nach Wobbenbüll bei Husum. Dort beginnt der Damm, der Nordstand mit dem Festland verbindet.
Am Ortseingang des landwirtschaftlich geprägten 460-Seelen-Dorfes fallen weiße Schafe auf, die auf dem Dach des kleinen „Deichcafes“ thronen. Etwas weiter nördlich – mitten im Dorf – ist die Zwartbles-Schafzucht von Jürgen Sönnichsen beheimatet. Bereits als Jugendlicher hielt er eine kleine Herde von Texelschafen. Seine Mithilfe auf einem landwirtschaftlichen Betrieb wurde dem damaligen Schüler vergolten, indem der Bauer mit ihm auf der Husumer Schafauktion Zuchttiere erstand. Das prägt. Heute spielen Tiere im Leben der ganzen Familie eine große Rolle. Frau Frauke und die sechzehnjährige Tochter Jana reiten, Jürgen Sönnichsen züchtet seit 2008 im Nebenerwerb Zwartbles-Schafe aus Holland.
In Nordfriesland aufgewachsen, kannte der hauptberufliche Leiter einer Immobilienabteilung nur Schafe im weißem Mantel. Aber „warum immer nur weiß“, fragte sich Jürgen Sönnichsen. Als er die schwarzen Tiere aus den Niederlanden sah, stand für ihn fest: „Das ist meine Rasse.“ Angetan haben es ihm neben der schönen Fellzeichnung vor allem die vielen guten Eigenschaften der Zwartbles: Die Mütterlichkeit der Tiere, leichte Geburten, genügend Milch zur Aufzucht selbst von Drillingen. Zwarzbles sind unbehornt, hochbeinig, kräftig, robust, anspruchslos und ruhig.
Sönnichsen kommt aus dem Schwärmen nicht heraus. Und man merkt ihm die Leidenschaft zum Tier und zur Zucht an. Den Ausschlag gab aber die Nachricht, dass die Zahl der Zwartbles in den vergangenen Jahrzehnten sehr zurück gegangen war. Zwartbles dürfen nicht aussterben, sagte sich der Züchter und machte ganze Sache, wie es bei Nordfriesen üblich ist. Er stieg in die Zucht ein. Auch wenn ihm die Arbeit mit den Tieren Spaß macht, meint Sönnichsen es ernst mit der Schafzucht. Er möchte diese alte Haustierrasse erhalten.
Seit 2010 ist er Mitglied beim Landesverband der schleswig-holsteinischen Schafzüchter und Herdbuchzüchter. Damit die Zucht stabil bleibt, ist es ihm wichtig, Zuchttiere aus verschiedenen Blutlinien zur Verfügung zu haben. Inzwischen hat Sönnichsen mehrere Preise eingeheimst und ist neben Bauer Prignitz und einem weiteren Landwirt anerkannter Zwartbles-Züchter, der einen Großteil der Tiere an Interessierte verkauft.
Schafe sind Herdentiere und haben ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Muttertiere leben in Gruppen mit den nicht geschlechtsreifen Jungtieren. Die jungen Böcke werden in eigenen Gruppen gehalten und nach erfolgreicher Vorstellung zur Körung zur Paarungszeit der Herde zugeführt. Schafe gehören zu den Wiederkäuern und können ungefähr 20 Jahre alt werden. Die Böcke bringen bis zu 120 kg auf die Waage.
Sönnichsen hält seine Schafe ganzjährig auf seinem Grünland, hat jedoch zusätzlich Weideunterstände und einen Stall. Nur in der Lammzeit werden die 20 Mutterschafe für kurze Zeit in Ablammboxen aufgestallt. Diese Zeit ist für den passionierten Züchter die schönste: „Wenn die Lämmer mit wilden Sprüngen den Frühling begrüßen, dann weiß ich, warum ich diese Tiere halte.“ Auch Tochter Jana mag die Lammzeit nicht missen und ist immer dabei.
Auch wenn man Sönnichsen wie allen Bauern anmerkt, dass die Liebe nicht nur durch den Magen geht, sagt er doch: „Zwartbles sind eine Nutztierrasse. Wir werden sie nur erhalten, wenn wir sie nutzen.“ Er betreibt Artenschutz durch Nutzung. „Laufsteg oder Lammsteak“, könnte man salopp formulieren. Seine Tiere werden hauptsächlich als Zuchttiere abgegeben. Bauer Prignitz verkauft dagegen leckeres Lammfleisch an Endkunden www.gestuet-kollmoor.com.
Die Zwartbles-Lämmer sind „frohwüchsig“, wie der Fachmann es nennt. Sie wachsen problemlos und schnell. Bei reiner Weidehaltung sind die Lämmer mit fünf Monaten schlachtreif. Zwartblessen verfetten wenig, sind gut bemuskelt an Keule und Lende. Das Fleisch hat einen milden, feinen Geschmack, meint Sönnichsen. Insbesondere Direktvermarktern empfiehlt er diese Rasse.
Neben dem Fleisch wird auch das Vlies, die Wolle, verwertet. Vier Kilogramm wiegt das Vlies eines Mutterschafes im Schnitt, es ist schwarz bis schokoladenbraun und leicht gekräuselt. Für eine Verwendung als Garn sind das geradezu „bestrickende“ Eigenschaften. Und so verkauft Sönnichsen im Gegensatz zu vielen Berufskollegen mit weißwolligen Tieren seine Wolle direkt an „Spinnerinnen“. Sönnichsen muss bei dem alten Wort grinsen, denn heute ist die eigentliche Bedeutung fast ganz aus dem Bewusstsein verschwunden. Doch in der Tat nutzen die Stammkundinnen die Wolle in althergebrachter Weise. Aus der Wolle lassen sich Strümpfe und Pullover stricken. Aber auch das Filzen ist eine Technik, die wieder in Mode kommt. Damit lassen sich wunderschöne Dinge kreieren. Zu diesem Zweck verkauft er einen Teil der Wolle an einen süddeutschen Kindergarten.
Sönnichsen ist zufrieden: „Ich habe einen Traumberuf und zudem ein traumhaftes Hobby“. Im Frühjahr wird er gemeinsam mit Bauer Prignitz und einem weiteren Zwartbles-Züchter in das Mutterland der Tiere fahren, um dort nach Zuchttieren Ausschau zu halten. Und im Herbst des nächsten Jahres wird Sönnichsen sicherlich wieder auf der Norla-Tierschau in Rendsburg stehen.
Kasten
Schaf und Mensch haben eine lange gemeinsame Geschichte. Diese begann, so schätzt man, 10.000 Jahre vor Christi Geburt in Vorderasien. Als sich die Menschen in Europa vom Jäger und Sammler zum sesshaften Landwirt entwickelten, hielten auch hier Hausschafe Einzug. Das war in der Jungsteinzeit, also etwa 7.500 v.Chr. Das biblische Gleichnis vom „guten Hirten“ zeigt, dass die Verantwortung des Menschen für die Tiere eine ebenso lange Historie hat. Dieser sieht sich auch Jürgen Sönnichsen verpflichtet, ebenso wie weitere 870 Schafhalter in Nordfriesland, die zusammen rund 160.000 Schafe und Lämmer halten - eine Zahl, die mit der Einwohnerzahl des Kreises konkurrieren kann.
Schafe sind aber nicht nur ein wirtschaftlicher „Allrounder“, liefern sie doch Wolle und Fleisch. Daneben pflegen sie den nordfriesischen Deich. Grasende Schafe an den Deichen sind heute ein Wahrzeichen der Nordseeküste. Vor eine Jahrhundert erkannte man ihren unschätzbaren Nutzen in der Deichpflege und im Küstenschutz. Mit ihren Hufen stampfen sie das Marschenland der Salzwiesen fest und regen mit ihrem Appetit die Salzgräser zum Wachstum an. Auf den Deichen machen sie durch ihre Tritte und das Kurzhalten des Bewuchses die Küstenschutzlinie sturmflutsicher.

2014:
Durch den Einsatz eines neuen Zuchtbocks konnten wir wieder in dem Jahr auf einen besten Nachwuchs blicken. Die Ablammquote lag bei 1,82

2013:

Zwei neue Böcke von meinem Züchterkollegen gekauft um neues Blut in die Zucht zu bringen. Beide Tiere sind jetzt auch in SH gekört und sehen prächtig aus.

Auf der NORLA erhielten wir vier 1.Preise und zwei Siegerpreise für die züchterischen Leistungen.

2013 war ein sehr guter Jahrgang, der sehr schnell seine Abnehmer fand. Den Großteil der weiblichen Lämmer haben wir für die eigene Zucht eingesetzt.

24.07.2012:

Erster Herdbuchbock aus eigener Zucht gekört.

Glück gehabt: Kein Schmallenberg-Virus. Die Ablammquote lag bei 2,0 / 1,6 und dabei beste Lämmer.

12.03.2012:

Die Nachzucht zeigt sich in bester Verfassung.

Täglich erleben wir unkomplizierte Lammungen von fürsorglichen Mutterschafen.

04.09.2011:

NORLA in Rendsburg - ein tolles Erlebnis für eines meiner Altschafe, ein
einjähriges Schaf, das bereits gelammt hat und natürlich für mich.
...und das Ergebnis kann sich auch sehen lassen:


09.07.2011:

In der Zeitschrift "Schafzucht, Ausgabe 13/11"

erscheint ein umfassender Bericht zur Rasse der Zwartbles-Schafe:


02.06.2011:

Der Verkauf der Bocklämmer läuft hervorragend und wird nicht nur in Schleswig-Holstein nachgefragt.
Zwischenzeitlich ist auch ein Artikel über unsere Zwartbles-Schafe in der Zeitschrift "Das Lavendelschaf"
mit dem Ergebnis erschienen, dass die braune , sehr weiche Wolle für die weitere Verarbeitung von
Spinnerinnen gekauft wird.
Lassen Sie sich für die Wollsaison 2012 vormerken: E-Mail genügt!

07.03.2011:

Die Lämmersaison 2011 hat begonnen und unsere Muttern haben hervorragende Lämmer
- meist Zwillinge - zur Welt gebracht. Genau zum Frühjahrsbeginn ging es auf die sonnige
Weide, Zeit, gleich mal auf Streifzug zu gehen. 2011 lag die Ablammquote bei den Altschafen
bei 1,9 und bei den Entern bei 1,2.


















Bericht über die Zwartbles-Schafe in der Geflügelzeitschrift:



Am 09. März 2010 sollte es losgehen:

Das war der Stichtag für die ersten Mutterschafe, die, aufgrund des starken Winters,

täglich mit sehr guter Heulage des ersten Schnitts und Schaffutter zugefüttert werden müssen.

Zwei Monate ununterbrochen Schnee, Eis und Frost haben wir seit der Schneekatastrophe

in den Jahren 1978/1979 nicht mehr gehabt. Eine wirklich neue Erfahrung für die Schafe und auch für den Schäfer.

Fast sämtliche Mutterschafe lammten auf den Stichtag genau. Die Ablammquote lag bei 2,25.


 







Juli 2010: Zwischenzeitlich sind die Lämmer groß und können gut ohne "Mama"

durchs Leben kommen. Im Juli 2010 haben wir die Böcke auf die Weide der "Halbstarken"

gebracht, damit sie sich weiter so optimal entwickeln können  - siehe auch Fotos Nachzucht -

 

 








20.12.2010: Ab jetzt sind wir Herdbuchzüchter und freuen uns, unseren Beitrag zum Erhalt dieser fantastischen Rasse zu leisten.